Ökumenischer Seniorennachmittag

«Die Welt ist so ungerecht»

Bea Petri stellt das Burkina Faso Projekt «Nasmode» vor

(hch) Ein Steinbruch inmitten von Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Autoreifen brennen, der Rauch steigt den Arbeitenden in die Nase, in die Augen. Kleine Kinder sitzen am Boden, Männer schlagen grosse Steinbrocken aus dem Bruch, Frauen tragen diese auf dem Kopf den Hügel hoch, Frauen verkleinern die grossen Brocken zu kleineren Schotterstücken oder zermalmen sie zu Sand. Der Staub, der Dreck setzt sich überall fest, auf den Kleidern, im Gesicht, in den Ohren, alles wirkt grau. Die Arbeit in diesem Steinbruch, erklärt die in Steckborn lebende Bea Petri eindringlich, ist das Los vieler Frauen in Burkina Faso, die wenig Schul- und keine Berufsausbildung machen konnten. Szenenwechsel: Eine grosse Schulanlage, das Grün zwischen den Gebäuden lädt zum Verweilen ein, ein Hort für die Kinder der jungen Lernenden, verschiedene Klassenzimmer, in denen angehende Schneiderinnen, Kosmetikerinnen und Coiffeusen in farbigen Kleidern und mit schön gestalteten Frisuren lernen und praktisch arbeiten, dazu eine Kantine, Schlafzimmer mit vielen Betten, alle mit einem Moskito-Netz geschützt.

Geeignete Vermittlerin

Angefangen habe alles 2008, berichtet Bea Petri, die Unternehmerin des Jahres 2012. Sie sei von der Entwicklungsorganisation Swisscontact angefragt worden, ob sie jungen Frauen in Ouagadougou die Grundbegriffe der Maskenbildnerei vermitteln könne. Swisscontact, ein Projekt der Schweizer Wirtschaft, vermittle seit 50 Jahren ausschliesslich professionelle Berufskenntnisse in Entwicklungsländern. Burkina Faso gelte als Zentrum des afrikanischen Filmschaffens – dort entstünden mehr Filme als in Hollywood –, es mache also Sinn, Menschen in den Bereichen Kosmetik, Maskenbild und Kostümschneiderei für Film-, Theater- und TV-Produktionen auszubilden. Und Bea Petri mit ihrer internationalen Erfahrung als Maskenbildnerin in Film, Theater und Fernsehen die geeignete Vermittlerin.

Professionelle Berufsausbildung: ein Weg aus der Armut

Die Realität in Burkina Faso, die Armut und deren Folgen hätten Bea Petri schockiert, der Durchhaltewillen der Menschen, ihre Fröhlichkeit fasziniert. «Die Welt», wisse sie aus Erfahrung, «ist so ungerecht». Darum habe sie sich engagiert, habe Geld gesammelt, um die Ausbildung der jungen Frauen zu professionalisieren. 2013 konnte die Berufsfachschule des Projekts «Nasmode» mit der Unterstützung vieler Sponsoren eröffnet werden. Bea Petri und Safi Ouattara Diallo – die Schulleiterin vor Ort – betreuen die Berufsfachschule gemeinsam, sie besuche Ouagadougou regelmässig oder empfange Safi Ouattara Diallo, die immer wieder zur Weiterbildung in die Schweiz komme. «Nasmode» bietet 230 jungen Frauen eine Ausbildung an. Die Kosten der drei Jahre dauernden Berufslehre inklusive Kost und Logis von 1500 Franken im Jahr pro Person werde für drei Viertel der Teilnehmerinnen von «Nasmode» getragen. 21 junge Frauen aus dem Steinbruch seien jetzt in der Ausbildung, freut sich Bea Petri, «und zehn Migrantinnen, die vor den kriegerischen Unruhen im Norden haben flüchten müssen». Für den ersten ökumenischen Seniorennachmittag dieser Saison am Mittwoch hat das Vorbereitungsteam der Evangelischen und Katholischen Kirchgemeinde Steckborns sowie der Pro Senectute das Interesse der anwesenden Seniorinnen und Senioren geweckt. Betroffenheit sei spürbar, bedankt sich Margrit Eigenmann für das realitätsnah vermittelte Bild der Situation in Burkina Faso. Sie selbst fühle sich ein bisschen wie in einer Achterbahn, «uns allen geht es gut, wir freuen uns auf den Zvieri, und doch bleiben uns die Bilder der leidenden Menschen im Kopf».

 

Termine

Donnerstag, 02. Dezember 2021, 12:00 Uhr

Familien Zmittag im Kirchgemeindehaus

Mit Zertifikatspflicht oder Takeaway. Anmeldungen bis Dienstagabend per Whatsapp oder e-mail an Marlen Wanner, mailto:r.m.wanner@bluewin.ch 079 360...
Freitag, 03. Dezember 2021, 09:30 Uhr

Andacht im Altersheim

Pfr. Zbyněk Kindschi Garský, Kirchenmusiker Martin Schweingruber
Freitag, 03. Dezember 2021, 17:30 Uhr

Jugendvesper in der Kirche

Sonntag, 05. Dezember 2021, 09:45 Uhr

Gottesdienst in der Kirche

Pfr. Zbyněk Kindschi Garský, Kirchenmusiker Martin Schweingruber, Kollekte: Mission 21, AIDS Waisen Tansania