Anekdoten aus dem Leben einer Hebamme

Bote vom Untersee vom

Erfolgreicher erster ökumenischer Seniorennachmittag dieses Winterhalbjahrs in Steckborn

(hch) Herbstlich dekorierte Tische begrüssen am Mittwochnachmittag die rund 50 Frauen und Männer. Die Bühne ist vorbereitet, auf einem Tisch steht ein Hebammenstethoskop - ein Hörrohr aus Holz - und eine gläserne Babyflasche. Das Vorbereitungsteam der Evangelischen und der Katholischen Kirchgemeinde sowie der Pro Senectute serviert Kaffee, Tee und etwas Süsses. Margrith Hegglin und ihr Team «Zäme Gwürflet» stimmen die Gäste auf den Nachmittag ein und erfreuen sie auch während der Pausen mit ihren Volksliedern. Sie seien sehr dankbar, betont die mitorganisierende Rosmarie Zumbach, Ortsvertreterin der Pro Senectute, «dass die vier Musikerinnen ohne Gage durch den Nachmittag begleiten. Ihre musikalischen Darbietungen tragen viel zur angenehmen Atmosphäre bei.»

Stargast am heutigen Seniorennachmittag ist Lydia Werren, eine Hebamme und Krankenschwester aus dem Kanton Bern. Sie steht in ihrer Dienstkleidung auf der Bühne, schwarze Strümpfe, ein anthrazitfarbenes Kleid mit weissem Kragen, die Brosche am Hals, das graue zum Knoten aufgesteckte Haar bedeckt mit einem weissen Häubchen. Sie habe ihre Ausbildung zur Krankenschwester 1960 als 26-jahrige Frau in Langenthal begonnen, und damals, betont sie, hatten Strenge und Ordnung geherrscht, Lernende hatten sich erst hinsetzen dürfen, wenn die Oberschwester Platz genommen habe. Man höre oft, dass diese Zeiten besser gewesen seien als die heutigen, aber das sei sicher nicht in allen Bereichen so. Sie erinnert sich an eine junge Mutter, die ihr Kind tot geboren habe. Heute erhielte sie psychologische Betreuung, um mit ihrem Verlust fertig zu werden, damals sei dies weniger professionell gehandhabt worden. Natürlich seien sie empathisch auf die junge Frau eingegangen, aber sie seien eben nicht professionell auf eine solche Situation vorbereitet gewesen.

 

Lebendig erzählt

Die meisten ihrer Anekdoten erzählt sie mit einem Augenzwinkern und in breitem Berndeutsch, manchmal gar gereimt, und entlockt den Zuhörenden immer wieder ein erfreutes Lachen. Wie die Geschichte des jungen Vaters, der bei der Geburt seines Kindes ohnmächtig geworden sei, aber «wo das Chindli isch troffe ii, isch de Vater wider voll da gsi». Oder die Anekdote der jungen Mutter, die zuerst ein Mädchen, dann einen Buben geboren habe. Als Hebamme sei sie überzeugt gewesen, dass sich die Mutter freue. Mitnichten, sie habe entsetzt gemeint: «Dann muss der arme Bub ja in die Rekrutenschule.» Oder der Knecht, der seinen Fuss gebrochen habe und im Spital so verwöhnt worden sei, dass er auf seine Entlassung mit Bedauern reagiert habe, da er zu Hause «nicht so es gäbigs Wiib habe, wonem alles macht». Viel Erfreuliches habe sie erleben dürfen, beschliesst Lydia Werren ihren lebendigen Vortrag, vieles habe sie auch nachdenklich gestimmt. Zum Beispiel eine MS-Patientin, die als 15-Jährige auf der Schulreise ihre Krankheit bemerkt habe, die zuerst ihren Bruder, dann ihre Mutter verloren habe. Auch wenn sie 60 Jahre an MS gelitten habe, sei sie so stark gewesen, dass andere Menschen bei ihr Trost gesucht und gefunden hatten. Die Zuhörerinnen und Zuhörer bedanken sich mit langem Applaus, freuen sich auf den angebotenen Zvieri und vielleicht bereits auf den nächsten Seniorennachmittag in einem Monat.

Termine

Sonntag, 16. August 2020, 09:45 Uhr

Gottesdienst in der Kirche

„Wir brauchen Erinnerungsstücke“ (Jos 4, 1-9). Pfr. Andreas Gäumann, Kirchenmusiker Martin Schweingruber, Kollekte: Hospizdienst Thurgau
Montag, 17. August 2020, 20:00 Uhr

Chorprobe in der Kirche

Dienstag, 18. August 2020, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim

Dienstag, 18. August 2020, 12:00 Uhr

Mittagessen für Senioren im Kirchgemeindehaus

Voranmeldung bei Marianna Rietiker, 079 533 22 58