Ein nostalgischer Blick auf das Städtchen

Bote vom Untersee vom

Senioren-Nachmittag lud zum Thema «Steckborns Häuser und ihre Geschichte(n)» ein

(jb) Pünktlich um 14.30 Uhr am vergangenen Mittwoch begrüsste Pfarrer Andreas Gäumann gut 60 Interessierte im katholischen Pfarreisaal zum ersten Senioren-Nachmittag der Saison 2019/20. Unter der neuen Leitung von Margrit Eigenmann freute sich das Vorbereitungsteam der Evangelischen und der Katholischen Kirchgemeinde zusammen mit den Gästen auf die Erinnerungen an die «gute alte Zeit».

Was es doch alles gegeben hat!

Mit Kennermiene und geflüsterten Kommentaren folgten die Alteingesessenen dem Vortrag von Ernst Füllemann, Präsident des Museumsvereins, anhand der projizierten Bilder, die vom Kurator des Museumsvereins, René Labhart, gesammelt oder selbst aufgenommen worden sind. Derweil blieb später Zugezogenen nur das Staunen, was es früher in Steckborn alles gegeben hat. Und manch ein Gast teilte das Bedauern von Ernst Füllemann über wertvolle Gebäude, die beliebigen Zweckbauten oder Parkraum hatten weichen müssen.

Engagiert, humorvoll und kenntnisreich

In bekannt launiger Art führte der Referent durch etwas mehr als 100 Jahre Orts- und Architektur-Geschichte, stellte Alt und Neu gegenüber und machte da und dort eine kritische Anmerkung. So zeichnete er die Entwicklung der Schulen, des Bahnhofs und der Post nach (letztere vor der Zeit der «Einsperrung in den Coop»), und man sah, in welch schönen Gebäulichkeiten diese Institutionen früher untergebracht waren.

Die Post etwa an der Seestrasse neben der heutigen Druckerei Steckborn (Haus Alte Post), später im Haus der TKB, und an der Bahnhofstrasse, wo 1949 «100 Jahre Eidgenössische Post» gefeiert wurde. Andere Bilder zeigten das alte Sekundarschulhaus von 1954, den katholischen Kindergarten im Haus, das heute das Lokalfernsehen beherbergt, das Seeschulhaus, vor dem der Brunnen leider verschwunden ist, das Hub- und das Lindenareal. Und wenn eine Aufnahme den Blick hangaufwärts lenkte, war man verblüfft über ein fast noch unverbautes Land. Die Industrie war natürlich ebenfalls Thema: der Untergang der seinerzeit auch baulich dominanten Kunstseide und der Aufschwung der Bernina.

Unvorstellbare Beizen-Vielfalt

Kaum zu glauben, wie viele Gasthäuser die Gemeinde Steckborn gezählt hat, aber auch wie viele mittlerweile verschwunden sind. Da war das immer wieder umgebaute «Schweizerland», später auch «Romantica» genannt, das nie rentiert haben soll, so dass ein Wirt zum Lehrling sagte: «So, jetzt lernst du auch noch Konkurs». Nobel hatte sich das Glarisegg Hotel-Restaurant präsentiert, unterstrichen durch die grosse Zahl der damals noch seltenen Autos auf dem Vorplatz. Weiter war da der «Seegarten», der in die Seestrasse ragte und so den Verkehr etwas verlangsamte. Nach dem Abbruch fand man dann, das habe auch sein Gutes gehabt. Die wunderschöne «Krone» ist einer der bedauerlichsten Verluste. Zwar hat man beim Neubau die äussere Form bewahrt, aber ohne Fenster und Läden hat das Gebäude jeglichen Charme verloren. Sogar das alte Wirtshausschild wurde verkauft – an die gleichnamige «Krone» in Berlingen (ebenfalls verschwunden). Den «Schwanen» mit seiner wunderbaren Terrasse gibt es zumindest als Restaurant nicht mehr. Das «Schloss» ist geschlossen, und die «Blumenau» mit der lauschigen Gartenwirtschaft nur noch ferne Erinnerung. Wie die Wirtschafen «Oberhof», «Seehof», «Löwen», «Schwert», «Sonnenhof» und «Kehlhof», die schönste Wirtschaft weit und breit. Gut gibt es noch Lokale wie den «Frohsinn», den «Anker» und die «Sonne», die der Entwicklung getrotzt haben.

Einzige Konstante ist der Wandel

Dass dem so ist, wurde immer wieder augenscheinlich: bei Plätzen und Strassen, bei besonders markanten Zeitzeugen wie der Metzgerei zum Ochsen in der Kirchgasse oder dem Haus Neptun am Sonnenplatz. Vermisst wird auch die Brauerei im Gebäude hinter der «Sonne».

Man hätte die eine oder andere Träne verdrücken mögen. Aber lieber freuten sich die Gäste über den Imbiss mit einem Glas Wein und auf die kommenden vier Senioren-Nachmittage.

Termine

Mittwoch, 16. Oktober 2019, 09:30 Uhr

Seniorenkaffee im Kirchgemeindehaus

Freitag, 18. Oktober 2019, 09:30 Uhr

Andacht im Altersheim

Jörg Ferkel
Sonntag, 20. Oktober 2019, 09:45 Uhr

Jodel-Gottesdienst in der Kirche

«Paradies», Mitwirkung der Jodel-Familie Brühlmann, Pfr. Andreas Gäumann, Kirchenmusiker Wolfgang Bührer, Kollekte: Bibellesebund Die Oberaacher...