Interessantes über die Ukraine erfahren

Bote vom Untersee vom

Gemütlicher Seniorennachmittag im liebevoll dekorierten katholischen Pfarreisaal in Steckborn verbracht

Der Herbst ist schon fast vorbei; Baume und Sträucher verlieren immer mehr von ihren prachtvollen Blättern, die wir so bewundert haben und stürmische Winde sorgen dafür, dass die Äste bald kahl und gut vorbereitet auf eventuelle Schneelasten auf den Winter warten können. Auch der vergangene Mittwoch war zwar sonnig, aber auch recht stürmisch, sodass man die Einladung zum Seniorennachmittag gerne annahm, um einen gemütlichen Nachmittag im katholischen Pfarreisaal zu verbringen. Neben der Vorfreude aufs gemütliche Beisammensein, aufs Plaudern und aufs Geniessen des Zvieris an den wieder ganz speziell schon dekorierten Tischen, war man diesmal gespannt auf den angekündigten Vortrag von Vladimir Poperechenko aus der Ukraine.

 

Leben der älteren Menschen in der Ukraine

Die Ukraine ist bei uns vor allem aus Berichten und Bildern aus der Zeitung über Kämpfe mit russischen Separatisten bekannt. Poperechenko wollte aber nicht über Krieg, sondern über das Leben der Menschen, vor allem der Senioren, ausserhalb der Krisengebiete berichten. Wie sieht das Leben der Senioren dort aus? Auf dem Land leben fast nur ältere Menschen. Die Jungen sind in die Stadt gezogen. Was sofort zu sehen war: Die Senioren müssen auch nach ihrer Pensionierung zu einem grossen Teil immer noch selber für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Vom Staat bekommen sie eine Rente, die umgerechnet etwa 50 Franken im Monat beträgt, dazu wird ihnen eine Wohnung und Grundstücke zur Nutzung zur Verfügung gestellt. Miete bezahlen sie keine dafür. Das Leben, das sie führen, erinnert an unser Landleben vor etwa 100 Jahren. Sie bepflanzen ihr kleines Grundstück mit Getreide, Gemüse und Obst, halten Haustiere wie Kühe, Ziegen, Hühner, Enten, Kaninchen. Das Einmachen der geernteten Nahrungsmittel wird ganz gross geschrieben, so wie wir das von unseren Müttern und Grossmüttern noch kennen. Ihre Scheunen und Keller sind vor allem für die Winterzeit gefüllt mit den Köstlichkeiten der wärmeren Jahreszeit. Das sieht dann alles ganz wunderbar und gluschtig aus, aber natürlich steckt grosse Arbeit dahinter, das setzt voraus, dass die Menschen noch gesund und rüstig genug sind, sie zu bewältigen. Werden sie krank, müssen sie die Medikamente selber bezahlen, hingegen werden Arztbesuche und Spi­talaufenthalte vorn Staat bezahlt. Die Betreuung der Kranken und Allen Übernehmen meist Nachbarn und Verwandte. Zwar werden die Menschen in der Ukraine etwa fünf Jahre früher pensioniert als bei uns, aber auch in diesem Alter hat man ein langes arbeitsreiches Leben hinter sich, das Spuren hinterlassen hat.

 

Spuren auf den Gesichtern

Spuren sind auch auf den Gesichtern der Menschen zu sehen, die uns Poperechenko mit seinen Dias zeigt, Spuren eines Lebens, gefüllt mit Arbeit, Sorgen, vielleicht auch mit Ohnmacht gegenüber den für diese Menschen nicht veränderbaren, oft deprimierenden Verhältnissen. Man sieht aber auch Menschen, die sich über das Gleiche freuen wie unsere Senioren: Über das gemeinsame Feiern von Festen, über den Besuch von Verwandten und natürlich über die Anwesenheit ihrer Enkel. Sehr oft leben die Enkel auch bei den Grosseltern und werden von ihnen erzogen, wenn die Eltern arbeiten müssen. Einfallsreichtum und Fantasie sind gefragt, wenn es ums Dazuverdienen geht. So sind die Märkte beliebt, wo vor allem die Frauen die verschiedensten Sachen den Touristen anbieten wie Eingemachtes, Blumen aus dem eigenen Garten oder Selbstgestricktes. Eine Frau kauft zum Beispiel Brot untertags in den Laden und verkauft es dann nach Ladenschluss etwas teurer an Kunden, die vorher keine Zeit zum Einkaufen hatten. Die Polizei drückt dann oft eines oder beide Augen zu.

Die Atomkatastrophe von Tschernobyl war natürlich ein schreckliches und einschneidendes Ereignis in ihrem Leben. Die Überlebenden Menschen in den betroffenen Gebieten mussten das verseuchte Gebiet verlassen und wurden umgesiedelt. Jedes Frühjahr gedenken sie dieser Katastrophe, besuchen die Gräber, treffen sich mit ihren Verwandten und Bekannten von damals auf Friedhöfen und bei Gottesdiensten in den Kirchen. Die Bilder und die Erzählungen waren aussagekräftig, interessant, auch humorvoll, erheiternd und deshalb auch tröstlich. Die Menschen sind dort mit der Natur verbunden, leben mit und von ihr. Vielleicht schöpfen sie auch daraus ihre Kraft für dieses harte Leben. Mit viel Applaus bedankten sich die Gäste bei Vladimir Poperechenko für diese Einblicke. Viele Eindrücke und Nachdenkliches werden die Besucher gewiss mit nach Hause genommen haben. Der nächste (Advents)-Seniorennachmittag findet am 16. Dezember statt.

Termine

Sonntag, 07. Juni 2020, 09:45 Uhr

Gottesdienst in der Kirche

«Vom Segen», Pfrn. Sabine Gäumann, Kirchenmusiker Martin Schweingruber
Dienstag, 09. Juni 2020, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim

Freitag, 12. Juni 2020, 09:30 Uhr

Andacht im Altersheim

Pfrn. Sabine Gäumann
Sonntag, 14. Juni 2020, 09:45 Uhr

Gottesdienst in der Kirche

Pfrn. Sabine Gäumann, Kollekte: Thurgauische Evangelische Frauenhilfe
Dienstag, 16. Juni 2020, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim