Lebensqualität, Wohlergehen und Gleichgültigkeit

Bote vom Untersee vom

Gedanken zur Schweiz in der Zukunft an der 1. Augustfeier in Steckborn mit CVP-Nationalrat Christian Lohr

(rmm) Traditionell von der Stadtmusik begleitet, hielten am 1. August die Vertreter der reformierten, katholischen und der Chrischona-Gemeinde den ökumenischen Gottesdienst im Zelt auf der Seeschulhauswiese in Steckborn ab. Andreas Gäumann, Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde, eröffnete die Ansprachen, er und Armin Keller der Chrischona-Gemeinde als auch Thomas Mauchle als Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei wechselten sich gegenseitig ab.

Unter dem Motto <<Was feiern wir?», vermittelten sie ihre Gedanken zum Geburtstag der Schweiz. Über die Grundwerte unseres Zusammenlebens wolle man sich heute Gedanken machen, miteinander und füreinander. Gerechtigkeit als Stütze unseres Landes, dass jeder nur noch für sich schaut, als Gefahr für das Zusammenleben. Selbstbereicherung, egal ob in Form von Korruption oder direktem «Abschöpfen» der Gesellschaft, als Gegenpart christlicher Werte, welche nicht (mehr) immer und überall hochgehalten werden würden. So kam dabei Niklaus von Flüe zur Sprache, dessen 600-jahriger Geburtstag auf dieses Jahr fällt und der mit seiner Lebensweise Aufopferung und Verzicht für Andere vorgelebt hat. Was teilweise auf der Welt mit andersdenkenden Menschen in bestimmten Ländern passiert, steht somit in krassem Gegensatz dazu, was wir in unserer Heimat erfahren dürfen. Als Botschafter des Friedens wurde von Flüe genannt, als ein erster, der die noch junge Eidgenossenschaft vor einem inneren Bruch bewahrte und Krieg verhinderte, somit ein Grundstein für unsere auch heute noch gültigen Werte darstellt. Geschickt verpackten die drei Redner Flües Geschichte in ihre Aussagen und zeigten die Wichtigkeit und den Einfluss seiner Person für die heutige Schweiz auf. Die Habsucht und Bestechlichkeit der Menschen führten ihn dazu, als Friedensstifter in die Geschichte einzugehen. Im Ranft, einem «Urwald ähnlichen» Tobe), wird er zum Bruder Klaus, dort suchen und besuchen ihn die Menschen, die Rat benötigen. Leuten wie ihm, welche unser Land mitgeprägt haben, danken wir heute und feiern. Gemeinsames Beten und Singen unterstrichen die Worte und gaben einen schönen Übergang zu von der Stadt spendiertem Kaffee mit Gipfeli. Stadträtin Doris Bachmann Iies es sich nicht nehmen, dem FC Steckborn für das Aufstellen des Zeltes als auch für das Führen des Ausschanks zu danken und vergass auch nicht, die jungen Helfer und Mitorganisatoren vom Jugendtreff für ihren Einsatz zu loben.

2017 die CVP, 2018 Jahr die FDP mit Petra Gössi

Am Abend wurde der Festakt ab 18.00 Uhr mit der Unterstützung des Jugendtreffs Steckborn weitergeführt und ab 19.30 Uhr sorgte der Musikverein Gaienhofen-Horn für Unterhaltung und Stimmung. Stadtpräsident Roger Forrer freute sich in seiner Rede, den angekündigten Gast Christian Lohr vorzustellen. Im Sinne einer gelebten Demokratie mache es ihn sehr stolz, nachdem in den vergangenen Jahren schon Vertreter von FOP, SVP und SP am I. August anwesend waren, nun den CVP Nationalrat aus Kreuzlingen begrüssen zu dürfen. Und «plauderte aus dem Nähkästchen», als er gleich den Gast für das nächste Jahr erwähnte, dies sei die höchste FDP-Politikerin, Petra Gössi. Und er meinte augenzwinkernd, «wenn alles gut läuft, ist sie dann Bundesrätin». Forrer bedankte sich bei der Organisatorin des Tages, Stadträtin Doris Bachmann sowie dem FC Steckborn, der Bäckerei Meier, Zisch Getränke AG als auch vielen Mitgliedern des Jugendtreffs und dem Musikverein Gaienhofen-Horn, die alle zum Gelingen der Feierlichkeiten mit beigetragen hatten. Nachdem der Stadtpräsident einiges über Christian Lohrs Werdegang und seine politische Karriere zur Aussage brachte und seine persönlichen Erlebnisse mit dem Nationalrat einfliessen Iies, Übergab er unter grossem Applaus Christian Lohr das Wort. Eine Vision dabei «einen Beruf haben, arbeiten zu können, gebraucht zu werden bedeutet Lebensqualität und Wohlergehen».

Die Sache mit der Gleichgültigkeit

Es sei eine Ehre und bereite ihm Freude, für das Städtli Steckborn die I. August-Ansprache halten zu dürfen, meinte Christian Lohr zu Beginn seiner Rede und meinte witzelnd, es sei Überwältigend, in einem vollen Zelt zu sprechen, gegenüber einer Rede in einem Ieeren Nationalratssaal und zudem alle ruhig seien und zuhören würden. In der Folge äusserte er sich darüber, wie die Erwartungen an die 1. Augustredner immer hoher werden und auch an das, was man vermittle. Er stehe unter anderem mit einer grossen Selbstverständlichkeit zu christlichen Werten, aber nur für diejenigen, welche nicht zu politischen Zwecken missbraucht werden. Respekt, Anstand und Toleranz sowie Solidarität, Demütigkeit und Barmherzigkeit, dies seien solche christlichen Werte, zu denen er sich bekenne. Und über den Begriff Heimat, wie wir es verstehen, werde immer kontroverser diskutiert. Er sehe darin Vertrautheit, Sicherheit, Freiheit, Gemeinschaftsgefühl und eigenverantwortliches Denken und Handeln, ein respektvolles Miteinander. Idyllisch oder realistisch? Gedanken an Heimat sind verbunden mit dem Bild, das Frieden und Harmonie beschert, das ist richtig, aber vielen fehle der Zugang zu einer solchen Heimat. Ereignisse in unmittelbarer Nähe jüngst in Schaffhausen und Konstanz hätten beschäftigt, wie kommt es dazu, wie begegnen wir solchen Situationen. Nicht mit Wegschauen, sondern mit Hinsehen und einen Blick für die Menschen «neben» uns zu haben. Sie zu verstehen sei ein Gebot, um nicht in die Gleichgültigkeit zu verfallen.

Selbstgerecht oder zu wenig demütig

Sind wir selbstgerecht oder zu wenig demütig? Es geht uns gut, sehr gut. Aber - und das mochte er betonen - es gehe nicht allen gut. Wenn wir miterleben, wie Menschen keine Arbeit, keine Orientierung oder immer mehr psychische Probleme haben oder Menschen, die sich nicht «daheim» fühlen, sind das Sachen, die uns beschäftigen müssen. Aspekte, dass ein Land so sicher wie die Schweiz ist, sind auch Solidarität und Eigenverantwortung. Um den Wohlstand weiter erhalten zu können, sind innovative Ideen, wie wir weiter bestehen können, gefragt. Eine Gesetzgebung, die Unternehmen nicht behindert, sondern unterstützt und Menschen, die sich in ihrer Arbeit auch bestätigt fühlen. Es braucht aber auch den sozialen Ausgleich, die Gleichgültigkeit gegenüber Menschen auf der schlechteren Seite dieses Ausgleiches können fatal sein. Generationen Übergreifendes Denken stehe auch an, für ihn sei es unverständlich, dass wir immer mehr auch in der Politik die Situation haben, dass man an einer Spaltung zwischen Jung und Alt schaffe mit vermeintlich bestehenden Ungerechtigkeiten, was das System destabilisiere. Das Bewusstsein «alle Generationen stehen für eine starke Schweiz ein» sei sehr wichtig.

Als Mutmacher geboren

Er sei selber in seiner persönlichen Lebenssituation sozusagen als Mutmacher geboren, deshalb sei es ihm wichtig, dass wir die verschiedenen Herausforderungen mit einem gezielten optimistischen Blick angehen. Damit zum Beispiel die sozialen Einrichtungen stark bleiben können, dürfen Themen wie Altersarmut und Jugendarbeitslosigkeit in ihrem ganzen Ausmasse nicht vergessen gehen, auch wenn sie nicht ins perfekte Bild der Schweiz passen. Stellen wir uns vor, dass es dies in der Schweiz gibt, was Iäuft da falsch, was können müssen wir dagegen tun? Das Thema muss gemeinsam angepackt, politisch auch schwere Entscheide getroffen werden, den Mut haben, genau hinzuschauen. Dass junge Menschen nicht den richtigen Weg in den Bildung gehen können, mache ihm Sorge. Man müsse alles unternehmen, um den jungen Leuten eine Perspektive schaffen zu können. Wir haben aber auch das Thema Integration, die Einwanderung in unserem Land. Auch wenn wir das Thema nicht in der Schweiz alleine angehen können, dürfe auch hier keine Gleichgültigkeit aufkommen. Menschen in so einer Situation zu helfen, sei ein humanitäres Verhalten, was in der Schweiz tradi­tionell immer sehr wichtig genommen wurde. Gezielte Unterstützung sei hier angesagt. Seine Gedanken seien Momentauf­nahmen und schon morgen könne sich alles andern. Sein grösstes Anliegen oder auch Wunsch sei es, dass man neben dem altbekannten Sorgenbarometer auch ein Hoffnungsbarometer hatten, den Leuten wieder Hoffnung machen und Perspektiven für die Zukunft geben.

 

Lampionumzug mit musikalischer Begleitung

Buchstäblich begleitet haben die Musiker und Musikerinnen des Musikvereins Gaienhofen-Horn die Jüngsten beim Lampionumzug, wo an Stelle der vorgesehenen zwei Musiker gleich die ganze Band den Umzug anführte und Zurück zum gemeinsamen Zünden verschiedenster Knallkörper auf der Seeschulhauswiese brachte.