Niklaus von der Flüe, eine Erinnerung

Bote vom Untersee vom

Roland Gröbli, Dachsen, sprach an der Volkshochschule in Steckborn über den Heiligen

(jo) Kirchliche Feste bestimmen das Jahr 2017 in einem hohen Mass. In Konstanz werden 600 Jahre «Konstanzer Konzil» gefeiert. In Deutschland 500 Jahre Reformation, als Martin Luther seine 97 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg schlug. Aber auch die Schweiz kennt mit Niklaus von FIüe (1417 bis 21. Marz 1487) einen Heiligen, dessen Gedenkjahr «600 Jah­re Niklaus von FIüe» in diesem Jahr begangen wird. Darüber sprach Roland Gröbli, an der VHS Steckborn unter dem Thema «Die Herausforderung Niklaus von FIüe und Dorothee Wyss heute - Rückblick auf 600 Jahre Niklaus von FIüe.»

 

Leitfigur der Schweiz

Wobei, wie er betonte, auf das «heute» einen besonderen Wert legen wolle. Es sei schwierig, Niklaus von Flüe heute darzustellen, weil es im 15. Jahrhundert eine ganz andere Zeit gewesen sei - dennoch möglich. Vor allem war ihm der Gedanke wichtig, dass Niklaus von FIüe oder Bruder Klaus, wie er sich als Eremit genannt habe, noch heute zu den «wirkungsmächtigsten Leitfiguren» der Schweiz gehöre. Noch heute ein «Vorbild in Mystik und Spiritualität, Gesellschaft und Politik sowie als Mensch mit seinen Starken und Schwachen.» Allerdings: «Sein Lebensweg ist ohne das Einverständnis seiner Frau Dorothee Wyss - ihr Ja - nicht denkbar. Fi.ir einen persönlichen Zugang ist es hilfreich, dieses gemeinsame Ringen mit Dorothee als Teil seines Lebens­weges zu verstehen.» Der darin bestanden habe, ganz in Gott «die absolute Freiheit» zu finden. Dies in der kleinen Einsiedlerklause «Ranft». Entsprechend ist das Leitmotiv des Gedenkjahres «Mehr Ranft». Das Gedenkjahr würde die Gelegenheit dazu bieten, seine Persönlichkeit und seine zeitlosen Kernbotschaften neu zu entdecken. Er sagte aber auch, dass es für seine Frau Dorothee schwer gewesen sei, eine ihr gemässe Anerkennung zu finden. Mehr noch - sie sei das Opfer der Oberlieferung geworden. Insbesondere ab dem 18. Jahrhundert, als sie als die «demütige Ehefrau» geschildert wurde, die ihren Mann habe gehen Dorothee schwer gewesen sei, eine ihr gemässe Anerkennung zu finden. Mehr noch - sie sei das Opfer der Oberlieferung gewor­den. Insbesondere ab dem 18. Jahrhundert, als sie als die «demütige Ehefrau» geschildert wurde, die ihren Mann habe gehen

 

Der Mensch Niklaus von Flüe

Roland Gröbli, Präsident des wissenschaftlichen Beirats in diesem Gedenkjahr und Mitglied des Vorstandes des Trägervereins «600 Jahre Niklaus van Flüe», stellte seinen Vortrag unter das Thema des gleichnamigen Buches «Mensch- Mittler-Mystiker» an dem er selbst mitgearbeitet hat. Geboren wurde Niklaus um 1417 auf dem Flüeli in der Pfarrei Sachseln auf einem ansehnlichen Hof. Schon mit 16 Jahren habe er davon gesprochen, einmal in die Einsamkeit zu gehen, um eine direkte Beziehung zu Gott zu finden. Er zog sich dann gern in den Ranft zurück, wo er als Einsiedler leben sollte, nachdem eine beabsichtigte Pilgereise in Ergolz/Liestal gescheitert war. Dennoch heiratete er mit 29 Jahren die 14- bis 16-jahrige Dorothee und hatte mit ihr zehn Kinder. Erst mit 50 Jahren - das jüngste Kind war wenige Wochen alt, der älteste Sohn 20 Jahre - verliess er seine Familie nach einem harten «Ja» seiner Frau. Zum Glück konnten die beiden ältesten Sohne die Landwirtschaft übernehmen. Niklaus lebte als Einsiedler auf dem Ranft in unmittelbarer Nähe seiner Familie. Als er 1487 starb, sollen die Engel Dorothee getröstet haben.

 


Der Mittler und Mystiker

Mehr und mehr sei Bruder Klaus zum Mittler zwischen Menschen geworden. Was er nicht gewollt habe, sich aber aus seiner wachsenden Berühmtheit ergeben habe. In kleinen wie in grossen Fragen seien die Menschen zu ihm gekommen, um ihn um Rat in persönlichen Lebensfragen zu bitten. Boten und Delegierte etwa aus Konstanz oder Predigerklassen aus Basel seien ebenso zu ihm gekommen wie einfache Menschen. Er bot ihnen Hilfe zur Selbsthilfe an, riet zur Eigenverantwortung an und zum Mut zu sich selbst. Seine Berühmtheit gründete nicht zufällig auch aufgrund seiner Askesei er soll ohne Nahrung und Trinken die neunzehneinhalb Jahre gelebt haben, die er als Eremit verbrachte. Als Mystiker hat er sich mit anderen Menschen ausgetauscht und ihnen seine visionären Erscheinungen geschildert. Seine Suche als Mystiker sei immer darauf gerichtet gewesen, die Liebe Gottes zu erlangen. Gott sei für ihn immer das Zentrum seines Handelns und Denken gewesen. Er, der Einsiedler und Suchende nach dem «einig Wesen» habe sich, so Gröbli, «in einer Innenwelt aufgehalten, deren Reichtum und Vielfalt wir nur erahnen konnten.» Insbesondere wurde er durch sein Gebet: «Mein Herr und mein Gott ... » sowie durch das Rad, dessen Allmacht (Speichen) dreifach von der Mitte ausgeht und dreifach dahin zurückkehrt, sehr berühmt.

 

Termine

Sonntag, 16. August 2020, 09:45 Uhr

Gottesdienst in der Kirche

„Wir brauchen Erinnerungsstücke“ (Jos 4, 1-9). Pfr. Andreas Gäumann, Kirchenmusiker Martin Schweingruber, Kollekte: Hospizdienst Thurgau
Montag, 17. August 2020, 20:00 Uhr

Chorprobe in der Kirche

Dienstag, 18. August 2020, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim

Dienstag, 18. August 2020, 12:00 Uhr

Mittagessen für Senioren im Kirchgemeindehaus

Voranmeldung bei Marianna Rietiker, 079 533 22 58