Von M wie Musikautomat bis M wie Münster

Bote vom Untersee vom

Frohgemute Chorreise vom Chor der evangelischen Kirche Steckborn

(pd/ms) «Wenn Engel reisen, lacht die Sonne» oder «keine Regel ohne Ausnahme». Zwei Sprichwörter, die am Samstag bei der Chorreise vom Chor der evangelischen Kirche Steckborn zutrafen, denn es war bedeckt und regnete, dafür war Sonne in den Herzen der Reisegruppe. Rund 30 Sängerinnen und Sänger trotzen den Sprichwörtern und liessen sich die Reise nicht verdriessen. Die Stimmung im Leugger-Car den der Organisator Peter Röthlisberger bestellt hatte war fröhlich und so fuhr die muntere Schar zuerst ins solothurnische Schwarzbubenland nach Seewen (SO) und anschliessend weiter nach Basel.

 

Automatische Musik aus vergangenen Jahrhunderten

Das erste Ziel war das Museum für Musikautomaten in Seewen (SO). Hier hatte 1979 Heinrich Weiss-Stauffacher auf privater Initiative eine Sammlung von Musikautomaten vom 14. Jahrhundert bis in die heutige Zeit geschaffen. Diese Sammlung respektive das Museum wurde dann 1990 Teil des Landesmuseums, das dann auch durch einen Erweiterungsbau 2000 für den notwendigen Raum sorgte. Besonders ist auch, dass Heinrich Weiss-Stauffacher im Alter von 98 Jahren Tür an Tür bei «seinem» Museum lebt. Von der grossen wandfüllenden mechanischen Orgel, wie die welche 1912/13 für das berühmte Kreuzfahrtschiff «Britanic» einer Schwester der «Titanic» gebaut wurde, bis zur Musikdose im Fingerring oder Stockknauf, vom Musikautomaten, der in Tanzsälen die Leute erfreute, bis zum mechanisch gesteuerten Steinway-Flügel, bei dem die Tasten «mitspielen», ob mechanisch, ob mit Walze, Lochstreifen oder Lochplatte, per Gegengewicht, elektrisch oder pneumatisch angetrieben alles war vorhanden. Ein sehr bereites und faszinierendes Spektrum. Dass Musikautomaten oder Spieluhren auch heute noch gefertigt werden zeigten zwei moderne Armbanduhren mit eingebauter Musikdose.

 

999 Jahre Basler Münster

Welche Überraschung dann in Basel. Auf dem Münsterplatz hat an diesem Samstag die 548. Basler Herbstmesse begonnen. Die beiden Münsterführer, welche die zwei Gruppen aus Steckborn durch das Münster und seine Geschichte begleiteten, waren vor allem im Aussenbereich gefordert. Die Führungen begannen auf dem Münsterplatz vor dem Portal, das für den geduldigen Hinschauer vieles zur bewegten Geschichte bereithält. Da ist zum Beispiel die Figur vom heiligen Martin, der den Mantel teilt. Jedoch wurde nach der Reformation der Bettler durch einen Baumstrunk ersetzt. Am 8. Februar 1529 war der Bildersturm auf das Münster mit dem Ziel all seiner Götzenbilder zu entledigen. Auf dem Münsterplatz wurden rund 60 Altäre und viele Heiligenstatuen verbrannt. Auch alle anderen heiligen Figuren sollten auf Antrag der Geistlichkeit 60 Jahre nach der Reformation entfernt werden, doch die Basler Behörde verhinderte dies und ein «Kompromiss» war zum Beispiel, dass bei der Figur vom heiligen Martin der Bettler durch einen Baumstrunk ersetzt wurde. Nebst der Reformation überstand das Münster auch 1356 das grosse Erdbeben und 1417 brannte die Stadt. All diese Ereignisse haben ihre Spuren hinterlassen und wurden zum Teil bewusst bis heute belassen. Im Inneren vom Münster geht es mit vielen Details weiter, welche dem gewöhnlichen Besucher verborgen bleiben. Wir wurden jedoch darauf hingewiesen und so sah man winzige Fingerzeige in Malereien oder Steinskulpturen, die wohl von der Obrigkeit nicht geplant wurden, jedoch vonkreativen Malern und Steinmetzen eingestreut wurden. So sitzt zum Beispiel hinter der Kanzel im Hauptschiff ein kleiner Hund mit Knochen im Mund, sozusagen der Hirtenhund, der dem Hirten auf der Kanzel hilft, die Herde zusammenzuhalten. Eindrücklich ist auch, wie das Leben und Leiden von Heiligen realitätsnah bildlich dargestellt wurde. Viel zu schnell waren die anderthalb Stunden der Führung vorbei, denn es gäbe noch viel zu sehen. Bis der Car uns wieder nach Hause chauffierte, war noch Zeit zum Lädele, für den Herbstmarkt oder für ein wärmendes Cafe.

 

Danke für eine schöne Reise

Mit Basler Spezialitäten wie Mässmogge oder Basler-Läckerli im Gepäck ging’s dann zurück nach Steckborn. Auf der Rückfahrt war es etwas ruhiger und in vielen Gesprächen wurde das Gesehene geteilt und man war sich einig, es war eine gelungene Chorreise auch ohne Sonne. Ein toller und interessanter Tag schloss sich um sieben Uhr wieder beim Bahnhof Steckborn. Peter hat es verstanden, zwei bedeutende «M» zu verbinden und dem Chor näher zu bringen,  dafür ein grosses Dankeschön und auch für die Reiseverpflegung mit Basler-Läckerli auf der Rückfahrt.

Termine

Sonntag, 16. August 2020, 09:45 Uhr

Gottesdienst in der Kirche

„Wir brauchen Erinnerungsstücke“ (Jos 4, 1-9). Pfr. Andreas Gäumann, Kirchenmusiker Martin Schweingruber, Kollekte: Hospizdienst Thurgau
Montag, 17. August 2020, 20:00 Uhr

Chorprobe in der Kirche

Dienstag, 18. August 2020, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim

Dienstag, 18. August 2020, 12:00 Uhr

Mittagessen für Senioren im Kirchgemeindehaus

Voranmeldung bei Marianna Rietiker, 079 533 22 58