Zwei Glossen über den schiefen Kirchturm

Bote vom Untersee, Thurgauer Zeitung vom

Der schräge Kirchturm war Thema zweier Glossen im Boten vom Untersee und in der Thurgauer Zeitung.

Dä Stecki maant (Bote vom Untersee, 22.11.2019)

Dass es in Steckborn einige schräge Vögel gibt ist bekannt. Solche gibt es wohl allerorts. Aber nicht jeder Ort hat einen schrägen Turm. Obwohl wir uns diesbezüglich noch nicht mit Pisa vergleichen dürfen, können auch wir mit einem schrägen Turm werben. Der Kirchturm der evangelischen Kirche ist nämlich rund 30 Zentimeter aus dem Lot und laut den installierten Messpunkten wird es stetig mehr. 30 Zentimeter sind je nach Situation zwar recht viel, aber als Kirchturmbesucher spürt man bis jetzt noch nicht, dass die Treppe auf einer Seite steiler wird. Auch der grosse Zeiger der Kirchturmuhr hat auf der geneigten Seite noch keine Mühe, die volle Stunde zu erreichen. Es besteht also keine Gefahr, dass der Turm umfällt. Zumindest nicht in den nächsten 10 000 Jahren. Danach müsste man vielleicht die Umfalldeckung in der Versicherungspolice aktivieren!

Turmspatz: Meraviglioso Steborna (Thurgauer Zeitung, 22.11.2019)

Auf dem Platz unter meinem Nest am Steckborner Kirchturm steht ein Fremder mit Strohhut und blau-weiss gestreiftem Pulli und schaut hinauf. Dann macht er ein paar Schritte zur Seite und schaut wieder in die Höhe.

Neugierig flattere ich zu ihm hinunter. «Guten Tag.» «Buon giorno», sagt der Mann und hebt den Hut. «Parla italiano?» «Poco», antworte ich. «Mi chiamo Franco», stellt er sich vor. «Mi chiamo Turmspatz. Was machst du hier, che cosa fare qui?» «Steborna è una bella città, vero?» Aber sicher ist Steborna, wie er unser Städtchen nennt, wunderschön. «Meraviglioso», erkläre ich. «La tua torre è davvero sconvolta?» Franco zeigt auf den Turm. «Come la torre die Pisa», schwindle ich, obwohl unser Turm nie so weit herüberhängt. Wenn schon die Touristen aus Italien herkommen, um unser Wahrzeichen zu sehen, darf man ruhig übertreiben.

«Perfetto», sagt er, «dove è il mare, caro Sturmpazzo?» «Turmspatz», korrigiere ich ihn. Mare haben wir leider keines, darum zeige ich ihm den Weg hinunter an den See. «Ah.» Er lächelt «Il Canale Grande!» «Non Canale, Untersee. » «Lostesso.» Er seufzt. «Non posso più lavorare a Venezia.» Ich nicke verständnisvoll. Die Überschwemmungen in Venedig. Schlimm.«Ecco perchè sto cercando un nuovo posto per me e la mia gondola.» Franco möchte hier mit seiner Gondel eine neue Existenz aufbauen. «La torre, il Canale, mi sento da casa.»

«Anche qui problemi», versuche ich seinen Eifer zu dämpfen, «Thurgauer Arbeitsamt, Schifffahrtsamt, die Segler und Ruderer, dann AHV, non è semplice. Auch wir haben Acqua-alta-Hochwasser. Wenigstens ab und zu.» Franco zuckt mit den Schultern. «Und der Kaffee ist Mittelmass.» Er wird bleich. «Alora torna in Italia», rufte er, hebt den Hut und ist auch schon weg.
 

Termine

Sonntag, 08. Dezember 2019, 09:45 Uhr

Gottesdienst am 2. Advent in der Kirche

«Da kommt noch etwas!», Pfrn. Sabine Gäumann, Kirchenmusiker Martin Schweingruber, Kollekte: AIDS-Waisen in Tansania (Mission 21)
Montag, 09. Dezember 2019, 20:00 Uhr

Chorprobe im Kirchgemeindehaus

Dienstag, 10. Dezember 2019, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim

Mittwoch, 11. Dezember 2019, 09:30 Uhr

Seniorenkaffee im Kirchgemeindehaus