Fit im Alter mit Bewegung, Proteinen und Vitamin D

Bote vom Untersee vom

Dr. med René Zenhäusern sprach am ökumenischen Frühstückstreffen in Steckborn

(heh) René Zenhäusern ist Facharzt für physikalische Medizin, hat die Arztpraxis mit integrierter Physiotherapie für Rehabilitation und Sportmedizin gegründet, ist Dozent an Uni und ETH, Vertrauensarzt für Swiss Olympic, für Spitzensportlerinnen und -spotier oder für Balletttanzende. Martha Kuster und dem Vorbereitungsteam des Ökumenischen Frühstückstreffens ist es gelungen, eine Koryphäe nach Steckborn zu holen. Mit viel Humor und einsichtigen Beispielen illustriert René Zenhäusern mit einem Streifzug durch verschiedene Studien, die sich mit der Gesundheit im Alter beschäftigen, dass jeder und jede selbst viel dazu beitragen könne, auch im Alter vital, selbstständig und leistungsfähig zu sein. Die Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn für Physiologie oder Medizin habe einmal gesagt, sich jeden Tag eine halbe Stunde bewegen, sei die eigentliche Wunderwaffe gegen das Altern. Sport, genügend Schlaf, wenig Stress, ausreichend Omega-3-Fettsäuren und ein waches Interesse garantierten zwar keinen Jungbrunnen, verlangsamten aber das Altern der Zellen und führten vom gebrechlichen zum vitalen Menschen. Es sei absolut nor­mal, dass die Leistungsfähigkeit im Alter abnehme, so René Zenhäusern. Fehle es an Bewegung, werden die Muskeln nicht mehr gebraucht, verliere jeder Mensch ab zirka 60 Jahren jährlich 1,5 Prozent seiner Muskelmasse. In der Schweiz hatten bis zu einem Viertel der 70-Jahrigen und zwei Fünftel der 80-Jährigen eine zu schwache Muskulatur, sie seien «schlecht zwäg», weil sie ihre Muskeln nicht genügend brauchten, damit erhöhe sich die Gefahr der Pflegeabhängigkeit.

 

Zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche

Auch wenn die Leistungsfähigkeit im Alter abnehme, könne sie immer noch hoch sein, wie zum Beispiel bei einem trainierten 92-Jahrigen, der einen Marathon noch in etwas mehr als fünf Stunden schaffe. Früher einmal hatten die Menschen bis zu 40 Kilometern für die Nahrungssuche täglich zurückgelegt, heute seien die Empfehlungen mit zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche bescheidener. Natürlich müsse ein Training sanft gestartet werden, aber es gebe im Alltag viele Gelegenheiten, sich zu bewegen, zum Beispiel könne man sich Wartezeiten mit Kniebeugen verkürzen oder Grosseinkauf mit Auto durch einen täglichen Einkauf zu Fuss ersetzen, der Spaziergang könne bewusst zu einem Power-Walken und dann zum Joggen gesteigert werden. Studien hatten bewiesen, dass Bewegung die Gesundheit positiv beeinflusse, nicht nur gut für Herz und Kreislauf sei, sondern auch andere Krankheiten verhindern könne.

 

Eineinhalb Gramm Proteine pro Kilo Körpergewicht

Für den Erhalt der Muskeln reiche die Bewegung nicht ganz aus, so Zenhäusern, die Muskeln müssen mit Proteinen gefüttert werden, Fisch, Fleisch, Nüsse, Käse und andere Milchprodukte seien da gute Lieferanten. Das sei für ältere Menschen manchmal ein Problem, der Hunger nehme ab und eine Mahlzeit bestehe oft nur noch aus einem Butterbrot. Die Eiweissaufnahme sollte auf vier Mahlzeiten am Tag verteilt werden, auf Frühstück, Mittag-, beziehungsweise Abendessen und, ganz wichtig, einen kleinen Eiweiss-Snack wie zum Beispiel ein Stück Käse, ein Yoghurt oder ein Protein-Shake vor dem Zubettgehen, da die Muskulatur vor allem über Nacht an Masse verliere. Mit Bewegung und der richtigen Ernährung, ist Zenhäusern überzeugt, können sich 80-Jahrige die Leistungsfähigkeit von 60-Jahrigen erhalten.

 

Vitamin D: Baustein der Leistungsfähigkeit

Vitamin D, das sich nur durch die direkte Sonneneinstrahlung auf die Haut bilde, sei notwendig für die Leistungsfähigkeit und mitverantwortlich für eine gute Knochenqualität, rund ein Drit­tel der Schenkelhalsbrüche oder andere Sturzfolgen konnten mit genügend Vitamin-D verhindert werden. In der Schweiz litten aber zirka vier Fünftel der Bevölkerung an einem Vita­min-D-Mangel, denn werde die Haut im Sommer - zu Recht - mit Faktor 8 geschützt, könne sich das Vitamin nicht mehr bilden. Logischerweise verschärfe sich das Problem im Winter. Es gebe eigentlich keine Lebensmittel, welche dieses Defizit beheben können, auch das Konsumieren von Fisch reiche da nicht aus. Er empfehle darum allen, so Zenhäusern, das Problem mit der Hausärztin, dem Hausarzt zu besprechen. Das Vorbereitungsteam der beiden Kirchgemeinden, Marianne Hess, Martha Kuster und Uli Wolf, haben mit dem Vortrag von René Zenhäusern ein interessantes und abwechslungsreiches Frühstück angeboten. Die rund 50 Anwesenden danken mit viel Applaus und verabschieden Brigitte Blaser und Elisabeth Frei, die an diesem Anlass das letzte Mal das Frühstück vorbereitet und den Kaffee ausgeschenkt haben, mit etwas Wehmut. Das Vorbereitungsteam, so Martha Kuster, freue sich, wenn sich für den nächsten Anlass im April 2018 neue freiwillige Helferinnen melden würden.

Termine

Dienstag, 11. August 2020, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim

Donnerstag, 13. August 2020, 12:00 Uhr

Familien-Zmittag im Kirchgemeindehaus

Anmeldungen bis Dienstagabend schriftlich per Whatsapp oder e-mail an Marlen Wanner, r.m.wanner@bluewin.ch, 079 360...
Sonntag, 16. August 2020, 09:45 Uhr

Gottesdienst in der Kirche

Pfr. Andreas Gäumann, Kollekte: Hospizdienst Thurgau
Montag, 17. August 2020, 20:00 Uhr

Chorprobe in der Kirche