Loslassen ist Freiheit gewinnen

Bote vom Untersee vom

Das Frauenfrühstück mit kurzweiligem Vortrag war am Dienstag in Steckborn bestens besucht

(hye) Die Organisation «Ökumenische Frauen» lud am Dienstag zum Frauenfrühstück im Pfarreisaal der katholischen Kirchengemeinde Steckborn. Ein gemeinsames z'Nüni, kombiniert mit einem Vortrag des ehemaligen Franziskanermönchs Beno Kehl. Heiter und kurzweilig beschrieb er seinen Weg zu einem freien und erfüllten Leben. Es ist ein fröhliches, geselliges z'Nüni im vollbesetzten Pfarreisaal. «Gemütlich mit Bekannten plauschen, weg vom Alltag und unter sich sein, dabei auch ein bisschen abschalten», so empfindet es Daniela Scherrer aus Steckborn. Und sie fände den heutigen Vortrag spannend. Nach einem ausgedehnten Frühstück sind die Anwesenden gestärkt, um dem spirituellen Le­bensweg des ehemaligen Franziskanermönchs Bruder Beno zu folgen. Er erzählt van der Wandlung zum Mönch, seinem späteren Weggang aus dem Kloster, seiner Strassenarbeit und den Afrikaprojekten. <<Ich bin immer ein Suchender gewesen», bekennt der ehemalige Mönch. Den richtigen Weg bei seiner Suche und seinen Entscheidungen wiesen ihm «Zeichen», von denen er sich leiten liess. Die Fahrt mit dem Velo nach Assisi, als Zeichen hin zum Klosterleben; der heruntergefallene, weisse Strick der Mönchskutte als Zeichen, dass seine Klosterzeit erfüllt war. Oder die Begegnung mit der Drogensüchtigen am Zürcher Platzspitz, die in ihm den wiederkehrenden Hoffnungsbringer sah. Ein ständiges Lächeln umgibt sein Gesicht. Er versprüht förmlich eine Aura der Seligkeit, der inneren Freiheit.

Vom Suchenden zum Arbeiter Gottes

Auslöser seiner Suche nach den Spuren Gottes war eine bedrückende Lebenserfahrung i m Jugendalter: der Tod seiner Lehrerin. Konfrontiert mit der Sterblichkeit stellte er sich die Frage nach dem Sinn des Lebens, da dieses ohnehin endlich sei. Daraus entspries sein Wunsch, ein Schüler Gottes zu werden und Menschenliebe zu praktizieren. Ober die Jahre versuchte er sich Gott zu nähern, las die Bibel. Nach einer Schreinerlehre spürte er: Die Zeit war gekommen und wandte sich dem klösterlichen Leben zu. Das einzige, das er behielt, war seine Schreiner-Werk­zeugkiste, die er selbst gefertigt hatte. Als Bruder Beno suchte er die Spuren zu Gott in den drei Elementen der Spiritualität der Franziskaner: Natur und Schöpfung, Gebet, Hinwendung zu den Armen. Vom ersten Tag an wusste er: «Das ist der richtige Ort, aber nicht für das ganze Leben». Fortan war Bruder Beno nicht nur auf der Suche nach Gott, er war auch Arbeiter im Dienste Gottes. Er sorgte für einen Einsiedlermönch, machte Gassenarbeit am Platzspitz und reanimierte kollabierte Drogensüchtige; ging mit seiner Werkzeugkiste nach Afrika, um dort eine Schreinerei aufzubauen und den Leuten dieses Handwerk beizubringen. Konfrontiert mit den Noten in Burkina Faso entstand die Idee für ein Regenrückhaltebecken. Zurück in der Heimat gründete Bruder Beno den Verein «kahnu». Gemeinsam mit der Afrikahilfe sammelte er Geld für das Staudammprojekt. Der 1,2 Kilometer lange Damm wurde realisiert und ist bis heute eines seiner grössten Projekte. In dieser Zeit fühlte Bruder Beno, die Zeit sei gekommen das Klosterleben zu beenden.

Der Wandel

Sein Innerstes lies er in Bildern sprechen und malte seine Empfindungen und Probleme. Sackgasse oder Perspektive war die Botschaft seiner Gemälde. Er entschied sich für die Perspektive. «Ein derartiges Staudammprojekt hatte ich als Mönch im Kloster nicht bewirken können», gesteht Kehl. «Kahnu» entwickelte er weiter. Das «Haus Zuflucht» in Zürich ist entstanden, für die Gassenarbeit. Randständige Menschen erlernen im Bienenprojekt die Imkerei. Betreuen die rund 50 Bienenstocke und finden dabei einen Halt und neuen Sinn am Leben. Bruder Beno vollzog vor sieben Jahren einen erstaunlichen Wandel. Mit Nichts stand er vor den Klostertüren; hatte selbst nur Hoffnung als Gepäck, und die Liebe zu seiner heutigen Ehefrau. Zwanzig Jahre lebte er in der Brudergemeinschaft. «Ich war gerne im Kloster und ging nur, weil die Zeit erfüllt war». Er hat gefunden, was er suchte: Liebe, Glück, Spiritualität. Seine «Big Five>> des Lebens sind: Spiritualität, Arbeit, Hobbies. Familie, Freunde. «Ein soziales Wesen, das danach lebt, kommt alleine aus einer Lebenskrise heraus und wieder auf die Füsse».

Die Besucherinnen sind beeindruckt van der Lebensschilderung des ehemaligen Mönchs. «Sehr eindrücklich und bewegend», meint Ursula Keller aus Steckborn. «Es inspiriert, um sinnvoller mit dem eigenen Leben umzugehen und mehr Menschlichkeit zu leben». Die meisten Besucher kennen Beno Kehl aus seinem Leben als Mönch auf der Insel Werd. Ruth Ruegg aus Steckborn kennt ihn seit dem Kindesalter: «Er ist sich treu geblieben».

 

Termine

Sonntag, 07. Juni 2020, 09:45 Uhr

Gottesdienst in der Kirche

«Vom Segen», Pfrn. Sabine Gäumann, Kirchenmusiker Martin Schweingruber
Dienstag, 09. Juni 2020, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim

Freitag, 12. Juni 2020, 09:30 Uhr

Andacht im Altersheim

Pfrn. Sabine Gäumann
Sonntag, 14. Juni 2020, 09:45 Uhr

Gottesdienst in der Kirche

Pfrn. Sabine Gäumann, Kollekte: Thurgauische Evangelische Frauenhilfe
Dienstag, 16. Juni 2020, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim