Selbstbestimmung fordern mit Vorsorgeauftrag

Bote vom Untersee vom

Barbara Merz, Präsidentin KESB Bezirk Frauenfeld, beim Frauenfrühstück Steckborn

(kil) Wofür die umstrittenste Behörde der Schweiz, die KESB gut ist, was KESB macht und was KESB nicht macht, darüber referierte am Dienstagmorgen beim ökumenischen Frauenfrühstück Steckborn und Umgebung im evangelischen Kirchgemeindehaus Barbara Merz, Präsidentin der KESB Frauenfeld. Das Thema Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) lockte am Dienstagmorgen nicht nur Frauen, sondern auch Männer in den Kirchgemeindehaussaal, der frühlingshaft schon geschmückt worden war durchs Frauenfrühstücksteam. Martha Kuster, Präsidentin des ökumenischen Frauenfrühstücks Steckborn und Umgebung, freute sich über den Grossaufmarsch der Frauen und Männer. Es war zu spüren: Jeder hatte eine Meinung zum Thema KESB. «Sie haben schon von uns gehört und sich gefragt, warum diese schreckliche Behörde da ist», sagte Referentin Barbara Merz. Und schon ging ein Geraune, ein Gemurmel durch den Saal.

Der Fall Flaach (eine Mutter tötete am Neujahrsmorgen ihre beiden Kinder, damit sie diese nach den Weihnachtsferien nicht ins Heim bringen musste), die verschiedenen Seiten der Wahrheit, schwebten auf. «Ich weiss, man hat uns nicht gern, ich weiss nicht warum», strahlte Barbara Merz und zeigte mit historischen Bildern auf, wie das gesellschaftliche Getriebe sich verändert. Wie die Laienbehörde zugunsten einer professionellen Organisation abgeschafft wurde. «Früher wurde im Amtsblatt die Vormundschaft publiziert und am Stammtisch hat jeder seine Meinung dazu gesagt». Sie zeigte auf, was die KESB tut, was ihr Auftrag ist und so die Paragraphen des Schweizer Zivilgesetzbuches (ZGB) anwendet, für die sie seit dem 1. Januar 2013 zuständig ist. Sie erzählte von Fallen, wo dank Beistandschaft, gute Wege gefunden wurden. Sie sprach von der Errichtung von Beiständen für Personen, die ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können. Sie zeigte auf, wie schnell Menschen in eine Situation geraten, wo sie Hilfe für alle Lebenslagen brauchen.

 

Jetzt aufschreiben, was einem auch spater wichtig ist

Barbara Merz, Juristin, Psychologin, Rechtsanwältin, jahrelang am Obergericht Thurgau tätig und vieles mehr, hat einen grossen Erfahrungsrucksack. Ihre wichtigste Botschaft an diesem Morgen: Selbstbestimmung mit einem handgeschriebenen Vorsorgeauftrag - vom Arzt unterschreiben lassen - sichern: <<Bestimmen Sie jetzt, in welches Heim Sie wollen, schreiben Sie auf, was Ihnen wichtig ist>. Als Beispiel nannte sie: Wenn eine Person gerne ins Theater geht, soll sie aufschreiben: «Ich will, auch wenn ich dement bin, ins Theater>>. Oder jemand, der immer einen Hund hatte, muss aufschreiben, dass er in ein Altersheim will, wo er einen Hund haben darf. Natürlich koste dies, und dann gehe es um die Geld-Machtfrage bei den Erben, und sie fügte hinzu: Es gäbe auch nette Erben. «Wenn Sie keinen Vorsorgeauftrag schreiben, haben nur die anderen etwas davon», erklärte sie in ihrem Vortrag, in dem es nur so von scharfsinnigen Beobachtungen und Details wimmelte. Sie rief zum Mut auf, an das Thema ranzugehen. «Niemand hat da reinzureden, auch der Ehemann oder Partner nicht», präzisierte Merz. Der Vorsorgeauftrag könne, wenn sich die Bedürfnisse ändern, jederzeit abgeändert oder widerrufen werden. Sie empfahl, den Vorsorgeauftrag beim Zivilstandsamt oder bei der KESB zu hinterlegen. Kosten für die Hinterlegung: 150 Franken. Die Entschädigung für Beistandschaft beträgt 1700 Franken plus Spesen. Entschädigungen sind klar geregelt. Menschen, die in Heimen leben, und um die sich niemand kümmert, werden automatisch der KESB gemeldet. Thematisiert wurde auch die Patientenverfügung bis zur Freitodbegleitung (nur auf Schweizer Staatsgebiet).

Dieser Vortrag kam wie ein Feuerwerk mit nachdenklicher Wirkung daher. «Melden Sie sich bei mir oder bei Christian Hild, Leiter Soziale Dienste, Steckborn, oder beim Gemeindepräsidenten Roger Forrer. Hier sind Sie gut aufgehoben; hier werden Sie mit Ihren Problemen nicht allein gelassen», ermunterte die Referentin. Tosender Applaus war der Dank. Und es folgte ein Antrag für einen «zweiten Teil» zu diesem Thema. Auch die Diskussion wurde rege genutzt. Das Publikum warf ethische, philosophische und Glaubensfragen in die Runde.

Termine

Dienstag, 18. Februar 2020, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim

Dienstag, 18. Februar 2020, 12:00 Uhr

Mittagessen für Senioren im Kirchgemeindehaus

Voranmeldung bei Marianna Rietiker, 079 533 22 58
Mittwoch, 19. Februar 2020, 09:30 Uhr

Seniorenkaffee im Kirchgemeindehaus

Mittwoch, 19. Februar 2020, 15:30 Uhr

KinderNachmittag im Kirchgemeindehaus