«Was nicht ausgesprochen wird, kann nicht heilen»

Bote vom Untersee vom

Gut besuchtes ökumenisches Frauenfrühstück im alten Schuelhüsli Steckborn

(kü) Gemütlichkeit, Zmorge und lebensstärkende «geistige Nahrung» ums Thema «Befreiender Umgang mit Verletzungen» gabs am Steckborner ökumenischen Frauenfrühstück am Dienstagvormittag im alten Schuelhüsli.

Silvia Bauer vom ökumenischen Frauenfrühstückteam der katholischen und evangelischen Kirchgemeinde strahlte bei der Begrüssung und ermunterte zum fröhlichen Gesang, der «vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang» kündete. Als Kanon gesungen, erklang das Lied noch viel besser. Das tat auch seine Wirkung auf die zahlreich erschienenen Frauen, die diesen erfrischenden Treff schätzen. Das Vorbereitungsteam hatte einmal mehr für einen köstlichen Zmorge gesorgt. Es war wie immer ein sehr gemütliches Zusammensein.

Mit Verletzungen liebevoll und heilend umgehen

Im Zentrum des Morgens stand das Referat von Theologin Rita Bausch, bekannt durch ihre Tätigkeit in der katholischen Landeskirche, in der Erwachsenenbildung, von Radiopredigten und vom «Wort zum Sonntag» im SRF. Bausch hob den Einladungsflyer in die Höhe mit dem «gebrochenen» Herz und zeigte auf das Pflästerli, das symbolisch seelische Verletzungen zupflastert. Mit Erkältungsstimme und Humor präzisierte sie, dass sie keinen Erfahrungsschatz an heilsamen Rezepten für seelische Verletzungen habe, im Sinne von Betty Bossi. Viel eher wolle sie dazu verhelfen, mit Verletzungen liebevoll und heilend umzugehen. Deshalb rede sie nicht vom Herz als unermüdlichen Muskel, sondern von Gefühlen, Ängsten, und wenn das Herz oder die Seele weint. Theologin Rita Bausch beleuchtete, wie wichtig es ist zu lernen, mit Verletzungen heilend umzugehen. Jeder trage Wunden und Narben in sich, die plötzlich wieder aufbrechen, wo man doch dachte, dass sie gut verheilt seien. Ihr selber helfe es, wenn sie nicht einfach in die hilflose, leidende Opferrolle verfalle. Es wirke nicht heilend, wenn man Verletzungen nicht ernst nehme, wenn «wir unsere Tränen hinunterschlucken, wenn wir den kleineren oder grösseren Bruch in unserer Geschichte herunterspielen und verdrängen». Sie ermutigte, das Leben anzunehmen als ein Leben mit Verletzungen und Brüchen, denn diese machen das Leben nicht weniger wertvoll.

Sich mit Verletzungen versöhnen

Der Satz «Die Zeit heilt Wunden» müsse ergänzt werden, sich mit den Verletzungen im Laufe des Lebens zu versöhnen. Um befreiend mit den Geschichten umzugehen, müssen diese ausgesprochen werden: «Was nicht ausgesprochen ist, kann nicht heilen», betonte Rita Bausch. Ganz offen sprach sie auch über ganz persönliche Schrammen, Wunden und Verletzungen, welche ihr selbst zugefügt wurden. Sie zeigte keine brückenlosen Schluchten auf, sondern Brücken, die zur Lebensfreude führen, trotz verwundetem Ich.

Mit einer harmonischen Musikeinblendung liess die Referentin verbale Stille aufkommen, zum Nachdenken. «Wir fügen einander Verletzungen zu, wir verwunden einander», fuhr sie fort. Sie bestätigte, dass es Verletzungen gibt, die mehr weh tun und diese sollen auch nicht mit einem noch so gut gemeinten, heilenden Lachen weggelacht werden. Bausch ermutigte zu Gesprächen mit vertrauenswürdigen Menschen in Familie und Freundeskreis, Ansprechpartner können aber auch ein Arzt, eine Psychotherapeutin oder Seelsorgerin sein.

Verzeihen, vergeben und versöhnen

Verzeihen, vergeben und versöhnen nannte sie als Schlüsselwörter. Um den Verständnisbogen noch weiter zu spannen, las sie aus dem Buch «Hoffnung und Achtsamkeit», geschrieben vom Franziskaner Richard Rohr. Lang anhaltender Applaus dankte Rita Bausch für deren erhellenden Vortrag und dem Vorbereitungsteam für das Organisieren des Anlasses. Extra-Dankesapplaus gab es auch für Silvia Bauer. Sie wurde von Daniela Scherrer im Namen beider Kirchgemeinden geehrt für fünf Jahre Einsatz und der Organisation von interessanten Vorträgen. Neu ins Team aufgenommen wurde Marianne Hess.

Termine

Dienstag, 11. August 2020, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim

Donnerstag, 13. August 2020, 12:00 Uhr

Familien-Zmittag im Kirchgemeindehaus

Anmeldungen bis Dienstagabend schriftlich per Whatsapp oder e-mail an Marlen Wanner, r.m.wanner@bluewin.ch, 079 360...
Sonntag, 16. August 2020, 09:45 Uhr

Gottesdienst in der Kirche

Pfr. Andreas Gäumann, Kollekte: Hospizdienst Thurgau
Montag, 17. August 2020, 20:00 Uhr

Chorprobe in der Kirche