«Ein grausamer und unnützer Krieg mit viel Leid»

Bote vom Untersee vom

Pfarrer Jörg Seyfried hielt an der VHS Steckborn einen Vortrag über den Dreissigjährigen Krieg

(jo) Religionskrieg wurde und wird er genannt, die Auseinandersetzungen und Kämpfe zwischen Katholiken und Protestanten hatten natürlich eine Bedeutung, letztlich aber, sagte Jörg Seyfried, Pfarrer im deutschen Tuttlingen, sei es ein Krieg um Macht gewesen. Eigentlich hätten die Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 beendet werden können, wenn nicht der grosse Fehler gemacht worden wäre, die Reformierten (Calvinisten) von der Regelung auszuschliessen. So aber steuerte die Entwicklung auf den Dreissigjährigen Krieg mit Beginn im Jahr 1618 zu. 101 Jahre nachdem Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hatte.

Sturz auf den Misthaufen

Wenn es nicht so ernst wäre, liesse sich ein bisschen über den Prager Fenstersturz schmunzeln: Am 23. Mai 1618 gingen unzufriedene protestantische Adlige zur Prager Burg und warfen drei katholische Kaisertreue aus dem Fenster. Sie überlebten, indem sie auf einem Misthaufen landeten. Jörg Seyfried: «Sie stanken zwar hinterher, aber sie lebten». Dieser Fenstersturz war eine Kriegserklärung an den Kaiser. Der Grund habe in dem Religionsstreit zwischen den Katholiken und den Protestanten gelegen, aber auch Machtansprüche, Besitzansprüche und das Streben der Fürsten. Ausserdem strebten der König von Spanien und das Haus Habsburg danach, ihre Macht über Gebiete Frankreichs zu erweitern. Der Augsburger Religionsfrieden hatte das Prinzip des «cuius regio, eius regligio» festgelegt: Der Landesherr bestimmte die Religion der Untertanen. Damit war das friedliche Nebeneinander der beiden Religionen zwar in gewisser Weise festgelegt worden, sollte aber keinen Bestand haben.

30 Jahre Krieg

Für wahr – eine lange Zeit. Tatsächlich aber, erklärte der Pfarrer, habe es nicht nur den einen Krieg gegeben, sondern insgesamt hätten fünf Kriege aufeinander gefolgt. Die Länder hätten sich in zwei Parteien geteilt: Die Protestanten, zu denen der König von Schweden, Gustav Adolf, die Pfalz, die protestantischen Fürsten und Adligen, der König von Dänemark und Frankreich gehörten. Frankreich war eigentlich katholisch, schloss sich aber Schweden im Feldzug gegen den Kaiser an. Zu den Katholiken gehörten der Spanische König und das Haus Habsburg, Kaiser Ferdinand II sowie die katholischen Fürsten und Bischöfe. Zu den bekanntesten Feldherren gehört Albrecht von Wallenstein, dem Friedrich Schiller in seiner Triologie: Wallensteins Lager, Piccolomini und Wallensteins Tod ein Denkmal und ein Bild gesetzt hat, das einen Blick in die Zeit des Dreissigjährigen Krieges erlaubt. Die Kriegsschauplätze waren überwiegend auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation angesiedelt, aber auch in angrenzenden Gebieten, wie bei der Besetzung Jütlands durch kaiserliche Truppen. Wirklich ganz grosses Leid brachte der Krieg der Bevölkerung, denn in diesem wurden erstmals enorm grosse Söldnertruppen aufgestellt, die nicht mehr vom Kaiser oder den Fürsten bezahlt werden konnten. Diese Söldnertruppen bedienten sich immer dort, wo sie gerade waren. Daraus entstand die Redewendung «Der Krieg ernährt den Krieg» – eine enorme Belastung der Bevölkerung, die kaum zu ertragen war. Entsprechend gross war die Zahl der Opfer: Es wird geschätzt, dass die Bevölkerung in den 30 Jahren von 18 Millionen auf zwölf Millionen zurückging, also sechs Millionen, was 33 Prozent der Einwohnerzahl ausmacht. Die allermeisten starben durch Hungersnöte und Seuchen.

Der Westfälische Friede

1644 begannen endlich die Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück, aber erst 1648 konnte Frieden geschlossen werden. Die Unterschiede in den katholischen und evangelischen Gebieten waren immer noch spürbar und sind es bis heute. Nutzen aus diesem Krieg zogen die Fürsten, Frankreich und Schweden. Verloren haben der Kaiser, das Haus Habsburg, das Deutsche Reich und das Volk. Ein Drittel des deutschen Volkes starb an den Folgen des Krieges. Schweden und Frankreich konnten ihre Gebiete erweitern, die Niederlande und die Schweiz erlangten ihre Unabhängigkeit. Der Neutralitätsgedanke der Schweiz bildete sich im Laufe des Dreisigjährigen Krieges immer weiter aus. Aber ab 1647 setzte auch die Notwendigkeit einer Militarisierung der Schweiz ein. Und Steckborn – es war praktisch nicht betroffen.

Termine

Sonntag, 16. August 2020, 09:45 Uhr

Gottesdienst in der Kirche

„Wir brauchen Erinnerungsstücke“ (Jos 4, 1-9). Pfr. Andreas Gäumann, Kirchenmusiker Martin Schweingruber, Kollekte: Hospizdienst Thurgau
Montag, 17. August 2020, 20:00 Uhr

Chorprobe in der Kirche

Dienstag, 18. August 2020, 09:30 Uhr

Vorlesen im Altersheim

Dienstag, 18. August 2020, 12:00 Uhr

Mittagessen für Senioren im Kirchgemeindehaus

Voranmeldung bei Marianna Rietiker, 079 533 22 58