Berichte

2020: vielleicht ein Jahr mit Ecken und Kanten

Bote vom Untersee vom

Steckborn startete das neue Jahr mit einem Gottesdienst und einem Apéro

(hch) Steckborn feiert das neue Jahr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Kirche. Daniela Scherrer der katholischen Pfarrei, Elias Vogel der Chrischona-Gemeinde und der evangelische Pfarrer Andreas Gäumann nähern sich während des Gottesdienstes dem biblischen Leitgedanken für das Jahr 2020: «Ich glaube; hilf meinem Unglauben», die verzweifelte Bitte eines Vaters, der von Jesus’ Heilung für seinen schwerkranken Sohn erwartet habe. Die Stadtmusik Steckborn unter der Leitung von Harald Fröhlich begleitet den Neujahrs-Gottesdienst, unterstützt die Singenden und schliesst den Gottesdienst mit Johann Sebastian Bachs «Arioso» und präsentiert damit den drei Kirchgemeinden eine musikalische Perle.
Der Gottesdienst zur Jahreswende sei ein Schwellenmoment, ein Zurückschauen und Vorausblicken in einem. Den Rückblick auf gute Erfahrungen mögen alle, die Erinnerung an schlechte quäle. Dies seien oft Augenblicke gewesen, die am Glauben haben zweifeln lassen, resümiert Daniela Scherrer den Leitgedanken. Doch Gott begleite die Menschen immer, auch in schweren Zeiten gelte es darum, hellhörig, aufmerksam und empfänglich zu sein für Gott und andere Menschen. Elias Vogel erinnert an den lutherischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der sich gegen die Nazis wehrte. Eingekerkert und dann ermordet im KZ Flössenburg habe er an seinen tiefen Glauben festhalten können, habe gewusst und gespürt, dass Gott immer bei ihm sei, ihm beistehe, egal, in welcher Situation. Der Fokus der Jahreslosung liegt für Andreas Gäumann im Begriff «Hilfe». Glauben und am Glauben verzweifeln sei ein Konflikt, der alle verunsichern könne. Die Erkenntnis, dass Gott oder auch Menschen in solch glaubensbedrohenden Situationen helfen, öffne den Blick für neue Möglichkeiten, «lässt uns alle gelassen und mutig das Jahr 2020 leben».

Wo immer möglich Effizienz weiter verbessern
Auch Stadtpräsident Roman Pulfer blickt zum Jahreswechsel zurück und vorwärts. Der Übergang sei geglückt, die Arbeit des Stadtrats, der Kommissionen und der Verwaltung klappe auch in der neuen Zusammensetzung. Ein Höhepunkt sei sicher, dass der Stadtrat in seiner letzten Sitzung 2019 den Wiederaufbau der «Brandhäuser» habe bewilligen können, nachdem die letzten Einsprachen zurückgezogen worden seien. Die Revision des Ortsplans sei komplex, liege aber zur Vorprüfung beim Kanton. Er sei überzeugt, dass das vorliegende Resultat Steckborn ein moderates, aber stetiges Wachstum garantiere. Auch das Gesuch für den neuen Sportplatz sei eingereicht. Dies habe nicht nur Begeisterung ausgelöst, Einzonungen seien immer heikel und bis heute gebe es dazu keine definitive Antwort. 2020 werde der Finanzplan durch einen Aufwandüberschuss belastet, vielleicht «muss gar mit roten Zahlen gerechnet werden, die Steckborn aber tragen kann». Eine Steuererhöhung sei nicht beabsichtigt, die Infrastruktur werde weiterhin gepflegt, Impulse für Tourismus und Gewerbe seien geplant.
Es gelte einfach, noch effizienter und haushälterischer mit dem vorhandenen Geld umzugehen. Die fast 20-jährige Gemeindeordnung und damit auch die Aufgaben von Kommissionen und Stadtrat müssten überarbeitet werden. Da gebe es noch Luft nach oben, ist der Stadtpräsident überzeugt, die Effizienz könne auch hier gesteigert werden. Diskutiert würden verschiedene Modelle, auch das Verwaltungsratssystem. Mit diesem System erhielte die Exekutive nicht nur Sitzungsgeld, sondern eine kleine Pauschale. Dies ermöglichte Stadträten und Stadträtinnen, ihre Arbeit um wenige Prozente zu reduzieren und mehr Zeit für ihr Amt zu gewinnen, was Planungssicherheit und Vorhersehbarkeit für alle garantiere.
Natürlich habe er in den letzten sechs Monaten verschiedene Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, was besser oder anders gemacht werden sollte. Die Stadt könne nicht alle gewünschten Aufgaben übernehmen. Das sei auch nicht nötig, ist Roman Pulfer überzeugt und dankt allen, die sich für Steckborn einsetzen: «Wenn sich weiterhin so viele Menschen privat oder in Vereinen freiwillig für Steckborn engagieren, wird es unserer Stadt auch 2020 gutgehen».